Oliver Schütte. «Schau mir in die Augen, Kleines»: Die Kunst der Dialoggestaltung. Konstanz u. München: UVK Verlagsgesellschaft, 2016. 278 Seiten.

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Der Titel des han­dlichen und ansprechend gestal­teten Taschen­buchs lässt aufhorchen. «Schau mir in die Augen, Kleines» – sagt das nicht Humphrey Bog­a­rt zu Ingrid Bergmann in «Casablan­ca»? In seinem Rat­ge­ber zur Dialoggestal­tung ent­larvt Oliv­er Schütte den Satz zwar als Falschz­i­tat, als Mythos, der nie in einem Film aufge­taucht sei. (Nach anderen Quellen entstammt der Ausspruch der ersten, ide­ol­o­gisch ver­stüm­melten Syn­chron­ver­sion des Films.) In der deutschen Fas­sung von 1975 jeden­falls sagt Bogeys deutsche Stimme (Joachim Kem­mer): «Ich seh dir in die Augen, Kleines». Wie dem auch sei: Laut Schütte hat der berühmte Ausspruch genau jene Qual­itäten, die einen guten Dialogsatz ausze­ich­nen: «Er ist kurz und präg­nant. Und er ver­weist noch auf etwas anderes als das, was an der Ober­fläche sicht­bar ist.»
Auch wenn sich Schüttes Lek­tio­nen in erster Lin­ie an Drehbuchau­torin­nen und ‑autoren richt­en, prof­i­tieren all jene, die sich für das Erzäh­lki­no oder Lit­er­atur begeis­tern, deren kün­st­lerische und nar­ra­tive Qual­itäten auf­spüren, analysieren und beurteilen wollen. Hier­für sind auch Fra­genkat­a­loge, prak­tis­che Übun­gen, Lit­er­a­turempfehlun­gen und ein Glos­sar mit zen­tralen Begrif­f­en im Anhang von Nutzen. Manch­es, was der Autor über die Kun­st der Dialoggestal­tung sagt und anhand ein­schlägiger Beispiele aus Drehbüch­ern demon­stri­ert, lässt sich näm­lich auf andere Textsorten und Kom­mu­nika­tion­ssi­t­u­a­tio­nen über­tra­gen. Was ist wichtig und wie kann diese Infor­ma­tion im Dien­ste des erzäh­lerischen Bogens ver­packt und ver­mit­telt wer­den? Passen Stil und Dik­tion zu Sprech­er und Inhalt?
Die kurzweilige Lek­türe bietet nicht nur einen Ein­blick ins Handw­erk des Drehbuch­schreibens, son­dern spricht zen­trale Aspek­te filmerzäh­lerisch­er Dynamik an und lehrt uns so, bess­er hinzuhören und gutes Sto­ry­telling zu goutieren.

Daniel Ammann

Erschienen in: Akzente 3 (23.8.2016): Online-Aus­gabe.

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