Screen­shot aus Hei­di (Alain Gspon­er 2015)

Beim Lesen ist mir immer mal wieder aufge­fall­en, wie da und dort die Staub­par­tikel im Son­nen­licht tanzen. Ein ver­trautes Bild, das durch die häu­fige Ver­wen­dung seine Orig­i­nal­ität, aber nicht seinen Reiz einge­büsst hat. Hier eine Auswahl mein­er Fund­stücke:

«Streifen und Fleck­en von Son­nen­licht, das durch ein Fen­ster weit­er oben fiel, ein Dachfen­ster wom­öglich, spiel­ten auf dem rot­braunen Gewebe unter ihren Füssen, auf der abge­trete­nen Stelle oben an der Treppe, auf dem polierten Gelän­der, auf den Staubkörnchen in der Luft.» – Gra­ham Swift, Ein Fest­tag

«Ein Son­nen­strahl drang durch die ver­git­terte Milch­glass­cheibe und ver­wan­delte die Staubkörn­er in Tänz­er, die sich im Zeitlu­pen­tem­po bewegten.» – Ian Rankin, Das zweite Zeichen

«Es war kalt im Zim­mer, aber durch die Vorhänge drang Son­nen­licht, in dem ein Uni­ver­sum aus Staub­par­tikeln glitzerte, sachte bewegt vom Luftzug, der durch das undichte Fen­ster wehte.» – Rolf Lap­pert, Nach Hause schwim­men 

«[…] das Tages­licht liess den Linoleum­bo­den bei Son­nen­schein schwach schim­mern und Tausende Staub­par­tikel in der Luft aufleucht­en wie eine Miniat­u­raus­gabe der Milch­strasse.» – Karl Ove Knaus­gård, Spie­len

«Ihr Gesicht, das Gesicht ein­er Heili­gen, ein­er Wik­ing-Madon­na, bezog seinen Glanz von den roten Lam­pi­ons in der Pinie und schim­merte san­ft durch die flim­mern­den Staub­par­tikel hin­durch, die im Kerzen­licht schwebten.» – F. Scott Fitzger­ald, Zärtlich ist die Nacht

«[…] und als ich die Son­nen­vierecke auf dem Par­ket­t­bo­den sah, spitzwin­klig verz­er­rt, und darüber die im Licht tänzel­nden Staub­par­tikel, kon­nte ich in der plöt­zlichen Ver­loren­heit nicht anders […]» – Nor­bert Gstrein, Das Handw­erk des Tötens

«Dort, wo die tief­ste­hende Sonne wie der Lichtkegel eines The­ater­schein­wer­fers durch die Fen­ster strahlte, tanzten Staub­par­tikel. Wenn man in die Hände klatschte, sto­ben sie für einen Moment auseinan­der, als ob das Geräusch sie erschreckt hätte.»  – Charles Lewin­sky, Ger­ron

«Obwohl das Patien­ten­z­im­mer regelmäs­sig gelüftet und gere­inigt wurde, tanzten fein­ste Staub­par­tikel in der Luft und gaben dem Kegel der Son­nen­strahlen die Kon­turen eines Büh­nen­schein­wer­fers.» – Seba­t­ian Fitzek, Split­ter

«Die Hitze war nach wie vor erdrück­end, und die Staub­par­tikel stiegen auf und glitzerten wie Sterne im Son­nen­licht, das schräg durch die Schlitze im Spielzelt ein­fiel.» – John Irv­ing, Zirkuskind

«Feine Staub­par­tikel flir­rten in den lotrecht­en, messer­scharf kon­turi­erten Licht­säulen, die das Zim­mer mit Hel­ligkeit erfüll­ten.» – Haru­ki Muraka­mi, Tanz mit dem Schaf­s­mann

«Das Licht, das in einem schrä­gen Winkel durch die Schaufen­ster fiel, umspielte ihre Taille und schim­merte auf den Schien­beinen unter ihrem Rock­saum. Er kon­nte die winzi­gen Staub­par­tikel sehen, die zwis­chen ihren Fussknöcheln in der Luft schwebten, und da war etwas zutief­st Ver­trautes in dem fliessenden Muster, das sie dabei bilde­ten.» – Antho­ny Doerr, Win­klers Traum vom Wass­er

«Durch die Ritzen zwis­chen den Wand­bret­tern und im Dach fiel das Son­nen­licht, der ganze Raum war durch­zo­gen von schmalen, staubflir­ren­den Licht­streifen.» – Robert Seethaler, Jet­zt wirds ernst

«Sobald eine Staub­fahne aus dem Son­nen­licht hin­auss­chwebte, erloschen die Staubteile wie winzige Sterne. Und leuchteten wieder frisch auf, sobald sie einen neuen Son­nen­strahl durch­querten.» – Wil­helm Genazi­no, Eine Frau, eine Woh­nung, ein Roman 

«Die Tür zur Schankstube öffnet sich, Licht dringt here­in. In dem hell­gel­ben Strahl tanzen Staubkörn­er.» – Ursu­la Poz­nan­s­ki, Ere­bos 

«In den zin­n­far­be­nen Licht­strahlen, die durch das Ost­fen­ster schräg auf den Altar fie­len und in der mit­tleren Bankrei­he ver­schwan­den, tanzten Staubkörn­er.» – Den­nis Lehane, Absender unbekan­nt

«Die Luft hier drin­nen war abge­s­tanden. Staubkörn­er tanzten in Siebens Glim­men wie ein fein­er Nebel und meine Schritte hall­ten laut durch die Stille.»– Mechthild Gläs­er, Stadt aus Trug und Schat­ten

«Auf dem Trep­pen­ab­satz, zwis­chen den Stock­w­erken, ver­sucht das schräg here­in­fal­l­ende Son­nen­licht, ihn aufzuhal­ten, schnei­det seine Beine ab, helle gebo­gene Streifen, die vor ihm die Stufen rauf­fall­en, Staubkörn­er, die wie Fis­che in einem Aquar­i­um durch die Luft treiben.» – Stew­art O’Nan, Hal­loween

«– einen Moment lang ver­wan­delte sie sich in eine Gestalt aus ein­er BBC-Sendung, wie sie im lan­gen Kleid einen Feld­weg ent­langschritt und im Son­nen­licht Mück­en und Staubkörn­er ihr Haar umtanzten.» – Anne Enright, Das Fam­i­lien­traf­fen

«Zit­ternd saß er im Heu und ver­fol­gte mit fin­steren Blick­en die Staubkörn­er, die in dem Son­nen­strahl umher­wirbel­ten.» – Astrid Lind­gren, Ras­mus und der Land­stre­ich­er

«Durch das Fen­ster am Ende des Gangs, dessen schmierige Scheiben nach ein­er gründlichen Reini­gung ver­langten, fiel das Licht des sich neigen­den Tages. Es war ein ster­ben­der Glanz von kupfern­er Fär­bung, ein samten­er, beina­he ängstlich­er Schim­mer, der die in der Luft tanzen­den Staubkörnchen wie gläserne Insek­ten ausse­hen liess. Obwohl sie vielle­icht bess­er mit einem Pol­len­re­gen ver­glichen wür­den, wie sie so zögernd und ziel­los durch die Luft trieben.» – Félix J. Pal­ma, Die Land­karte der Zeit 

«Tanzende Par­tikel von Son­nen­licht drangen hin­durch.» –  John Updike, Witwen 

«Als ich mich auf ein grell orange­far­benes Sofa fall­en liess, stieg eine Staub­wolke auf, in der sich die durch das Fen­ster drin­gen­den Son­nen­strahlen fin­gen.» – Cory Doc­torow, Upload 

«Sie kam unter der Brücke her­vor, lief durch einen staubi­gen Keil Mor­gen­sonne, und der Zug ver­schwand in der Ferne mit einem harm­los klick­enden, vorstädtis­chen Geräusch.» – Ian McE­wan, Abbitte

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